RDAP als Zugriffsprotokoll
RDAP (Registration Data Access Protocol) ist ein modernes, vom IETF standardisiertes Protokoll für den Zugriff auf Registrierungsdaten von Domainnamen. Als Nachfolger von WHOIS stellt RDAP strukturierte und maschinenlesbare Antworten im JSON-Format bereit. Entwicklungsprojekte können Funktionen zur Abfrage von Domaininformationen dadurch deutlich einfacher integrieren.
Relevanz von RDAP für die Entwicklung
Die Verarbeitung von WHOIS-Daten ist häufig aufwendig. Registrare formatieren ihre Antworten unterschiedlich, verwenden uneinheitliche Feldnamen und liefern unstrukturierten Klartext. Für die Gewinnung nutzbarer Informationen sind deshalb oft komplexe reguläre Ausdrücke notwendig. RDAP beseitigt diese Schwierigkeiten durch ein standardisiertes JSON-Schema, das auf allen RDAP-konformen Servern einheitlich eingesetzt wird.
Technische Kernvorteile
Strukturierte JSON-Antworten: RDAP-Antworten beruhen auf dem in RFC 9083 definierten standardisierten JSON-Datenmodell. Clients können daher stets dieselbe Grundstruktur verarbeiten. Ein Dienst darf einzelne Felder jedoch gemäß seinen Zugriffsrichtlinien auslassen oder unkenntlich machen. RESTful-Architektur: RDAP nutzt gebräuchliche HTTP-Methoden und HTTP-Statuscodes. Findet der Server ein passendes Objekt, liefert eine GET-Anfrage die zugehörigen Domaininformationen. Eine 404-Antwort besagt lediglich, dass der angefragte Dienst das Objekt nicht gefunden hat. Daraus allein lässt sich nicht ableiten, dass die Domain registriert werden kann. HTTPS als Standard: WHOIS überträgt Daten unverschlüsselt über Port 43. RDAP setzt hingegen HTTPS ein und verschlüsselt damit die Kommunikation zwischen Ihrer Anwendung und dem RDAP-Server. Unterstützung der Internationalisierung: RDAP verarbeitet IDN (Internationalized Domain Names) und Unicode-Zeichen korrekt. Diese Fähigkeit ist für international eingesetzte Anwendungen wesentlich.Ablauf einer RDAP-Abfrage
Eine Domainabfrage über RDAP erfolgt in den folgenden Schritten:
1. Bootstrap-Ermittlung: Der Client fragt die IANA-Bootstrap-Registry für RDAP ab und ermittelt den autoritativen RDAP-Server der TLD
2. HTTP-Anfrage: Der Client sendet eine GET-Anfrage an die URL des RDAP-Servers (z. B. https://rdap.verisign.com/com/v1/domain/example.com)
3. JSON-Antwort: Der Server antwortet mit einem strukturierten JSON-Objekt, das Registrierungsdaten, Statuscodes und Ereignisse enthält
Aufbau einer RDAP-Beispielantwort
{
"objectClassName": "domain",
"handle": "example.com",
"ldhName": "example.com",
"status": ["client transfer prohibited"],
"events": [
{"eventAction": "registration", "eventDate": "1995-08-14T04:00:00Z"},
{"eventAction": "expiration", "eventDate": "2025-08-13T04:00:00Z"}
]
}
Gegenüberstellung von RDAP und WHOIS
| Merkmal | RDAP | WHOIS |
|---|---|---|
| Datenformat | Strukturiertes JSON | Unstrukturierter Text |
| Übertragung | HTTPS (verschlüsselt) | Klartext (Port 43) |
| Standardisierung | RFC 9082 und RFC 9083 | Uneinheitlich |
| IDN-Unterstützung | Nativ | Eingeschränkt |
| Abfragetyp | RESTful HTTP | Eigenständiges Protokoll |
Einbindung von RDAP in Anwendungen
Für die Entwicklung von Domainwerkzeugen ist RDAP der empfohlene Ansatz. Die meisten modernen Dienste zur Prüfung der Domainverfügbarkeit, darunter DomScan, verwenden RDAP als primäre Datenquelle. Ausschlaggebend sind insbesondere diese Eigenschaften:
- Hinweis zur Verfügbarkeit: Eine 404-Antwort bedeutet, dass der angefragte RDAP-Server kein passendes Objekt gefunden hat. Sie beweist allein nicht, dass die Domain zur Registrierung verfügbar ist
- Umfangreiche Metadaten: Registrierungsdaten, Ablaufdaten und Statuscodes stehen für die Auswertung zur Verfügung
- Einheitliche Verarbeitung: Eine gemeinsame Codebasis kann sämtliche TLDs verarbeiten
Stand der RDAP-Einführung
Nach Angaben von ICANN ist RDAP seit dem 28. Januar 2025 die maßgebliche Quelle für Registrierungsinformationen zu gTLDs. Registries und Registrare von gTLDs müssen WHOIS-Dienste daher im Allgemeinen nicht mehr bereitstellen. Ausnahmen bestehen für .com, .name und .post. Bei ccTLDs unterscheiden sich die geltenden Richtlinien und der jeweilige Einführungsstand von RDAP. Die IANA-Bootstrap-Datei für DNS unter https://data.iana.org/rdap/dns.json enthält die aktuellen Zuordnungen von RDAP-Servern zu allen unterstützten TLDs.
Empfehlungen für die Umsetzung
Speichern Sie RDAP-Antworten für eine angemessene Dauer zwischen, damit Ratenbegrenzungen eingehalten werden. Verwenden Sie den IANA-Bootstrap zur Ermittlung des zuständigen Servers und unterscheiden Sie sorgfältig zwischen nicht gefundenen Objekten, Weiterleitungen und richtlinienbedingten Fehlermeldungen. Eine Meldung über ein nicht gefundenes Objekt beschreibt nur das Ergebnis des angefragten Dienstes. Sie ist kein Beleg für die Registrierbarkeit der Domain.